Interview mit Ondro über das Thema Hochzeitsfotografie

Die Tage hatte ich das Vergnügen mit dem Fotografen Ondro ein Interview zu führen. Was dabei herausgekommen ist lest ihr am Besten selbst, aber aufgepasst es ist lang. Wenn es euch gefallen hat, freue ich mich, wenn ihr es in den üblichen sozialen Netzwerken teilt!
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01 – Hi Ondro, kannst du mir und meinen Lesern ein wenig mehr über den Mann hinter der Kamera erzählen? Wie lange fotografierst du schon und wie bist du zur Hochzeitsfotografie gekommen?
Hi Basti :-) … also über mich gibt es nur zwei Sachen zu sagen: Ich bin der Beste & ich trage Rolex hahahaa … nun vielleicht gibt es da auch noch ein wenig mehr über mich zu erfahren. Ich heiße ONDRO und wohne in der Nähe von Stuttgart.

Zur Fotografie bin ich über einen umständlichen Umweg gekommen da ich mit meinem eigentlichen Beruf nicht zufrieden beziehungsweise glücklich war. Ich hatte Angst mit 55 aufzuwachen, zurückzublicken und mich zu fragen: „Hey wtf hast du die letzten 30 Jahre gemacht?? Du hast deinen Alltag mit uninteressanten Themen bestritten und dein soziales Umfeld war auf Arbeitskollegen beschränkt“. Aus dieser Angst heraus beschloss ich mit meinem Leben etwas anzufangen, worauf ich in ein paar Jahren mit Freude zurückblicken könnte… ich hab mich für etwas Kreatives entschieden!

Da mich neben der Malerei, die ich lange schon betrieben habe, Fotografie interessiert hat, habe ich mir einfach ne Kamera gekauft und angefangen sie jeden Tag zu nutzen. Mit der Zeit wird man besser und bekannter und irgendwann kommt der Jump zur Selbständigkeit. Das ist aber wirklich ein hartes Brot im Haifischbecken „Fotografie“ wo auch jeder noch so schlechte & langweilige Fotograf mit Nikon D3000 & Kit Linse, sich nach einem Workshopbesuch, bei Facebook als „Professional” hochhyped. Ich meine wenn du außergewöhnliche Bilder machst und coole Ideen hast und dann auch noch mit Menschen gut umgehen kannst, ist das schon von Vorteil… aber lange noch nicht alles.

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Es wäre wirklich zu schön um wahr zu sein wenn mein reales Leben meiner Facebooktimeline entsprechen würde, die nur aus Rolex, Geld, Cabrio fahren, Frauen, mit Stars abhängen, Freizeit, gutem Essen und Spaß auf coolen Locations bestehen würde. Das wirkliche Leben sieht etwas anders aus… beinhartes Pitching, kraftraubende Ideenfindung, viele Absagen bzw. nicht gewonnene Pitches und die endlosen Abende beziehungsweise Nächte bei der Postproduktion. Natürlich poste ich so einen Quatsch nicht. Dies ist nämlich uncool haha …

Oh jetzt bin ich tatsächlich vom Thema abgeschweift. Hochzeitsfotografie … wie bin ich dazu gekommen. Nun, ich bin da eher zufällig reingeschlittert. Ich war zu Gast auf der Hochzeit eines Freundes und der Fotograf hat ihm 15 Minuten vor der Trauung abgesagt, und so musste ONDRO der zufällig seine Ausrüstung im Auto hatte einspringen.

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Du musst sehen, als ich angefangen habe Hochzeiten zu fotografieren, hat das noch nicht jeder über 18jährige, der eine DSLR besitzt, im Internet angeboten. Es gab keine Workshops, keine wirklichen Beispiele, das war einfach ne andere Zeit. Hochzeitsreportagen mit kreativen Portraits gab es als solches noch nicht wirklich. Das hat sich erst später entwickelt. Da ich ja bis dato noch nie eine Hochzeit fotografiert habe, überlegte ich kurz in den mir verbleibenden 14,5 Minuten vor der Trauung … ok was würdest du gerne sehen wenn du mal heiratest und dein eigenes Hochzeitsalbum anschaust? Nach dem Motto habe ich dann fotografiert, ich stellte mir einfach vor ich selber stehe da vor dem Altar. Im Endeffekt war das dann so eine Billigversion davon was heute eigentlich normal ist.

Eine schöne authentische Hochzeitsreportage und besondere Portraits mit Hinguckfaktor. Das Fotografieren der Hochzeit hat mir so Spaß gemacht und ich selber habe dann mit stolzer Brust zwei Wochen später dem Brautpaar meine Ergebnisse präsentiert, dass die anfingen mich weiterzuempfehlen. So kam das eine zu anderen und ich fotografierte dann eben auch Hochzeiten.

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02 – Gerade wenn man deine Hochzeitsfotos betrachtet springt ins Auge, dass diese meist sehr kräftig und ausdrucksstark daher kommen? Liegt dir das eher als beispielsweise schwarz/weiß Fotografie oder wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ja meine Hochzeitsportraits kommen echt sehr ausdrucksstark rüber. Darauf lege ich superviel wert… wenn du ein Hochzeitsbild siehst muss dein Blick sofort hängenbleiben und du musst es dir anschauen weil es so toll aussieht. Ich spiele sehr viel mit Licht, großen Blitzköpfen und bearbeite natürlich die Kontraste und Farben ein wenig nach. Ich bin ein offener, lebensfreudiger, authentischer und positiver Mensch. So sind meine Bilder auch… sie strahlen einfach einen positiven VIBE und Lebensfreude aus!

Ich will, dass immer WOWs durch den Raum gehen wenn meine Brautpaare ihren Freunden und Bekannten ihre Hochzeitsbilder zeigen. Klar wurde mein Stil viel von meiner Musikfotografie geprägt… besonders im Urban Bereich geht es ja darum die Leute aufwendig und ausdrucksstark in Szene zu setzen. Ich habe das einfach ein kleinwenig für meine Hochzeitsfotografie adaptiert. Gerade das Licht und Farbending ist meines!

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Viele Hochzeitsfotografen haben auf ihren Blogs und in ihren Reportagen eine grosse Menge an Schwarzweiss-Bildern. Die meisten machen das aber nicht aufgrund des Stils, sondern weil es einfacher ist. Die klatschen einfach so eine gekaufte „totally rad“ Aktion mit irgendeinem awesome Namen wie „blueberry autumn indian summer cheesecake latte macchiatto BW“ und verkaufen das den Brautpaaren als „classic schwarzweiss shot“, dabei waren sie nur nicht im Stande oder eben zu faul, die Farben unter Kontrolle zu bringen.

Es ist einfacher und man ist schneller mit der Bearbeitung durch. Man merkt sofort ob derjenige, die Intention hatte wirklich ein Schwarzweissbild zu machen oder ob er nur Zeit sparen wollte. Jedenfalls merke ich es sofort, denn meine Rolex hat einen „SW-fake“ sensor (welcher auch in der apple watch 2 vorhanden sein wird) und der piept jedes Mal wenn ich mir ein grottiges schwarz-weiss Bild anschaue :-) Ich hoffe Brautpaare kriegen auch irgendwann den feinen Blick dafür dies zu unterscheiden.

Wenn man schwarzweiss macht dann richtig, du musst jeden Farbkanal herausarbeiten um die optimale Bildwirkung beziehungsweise Bildkontrast zu erzeugen. Das erfordert eine Menge Zeit und eine Menge an Testing.

03 – Wenn wir schon beim Stil sind, was hebt dich deiner Meinung nach positiv von anderen Hochzeitsfotografen ab. Womit machst du dich und deine Fotografie einzigartig?

Mich hebt mein eigener Stil ab. Jeder der sich mit der Hochzeitsfotografie-Branche auseinandersetzt weiß ——-> ok das ist ein ONDRO. Ich war der Erste der mit Porty, außergewöhnlichen Perspektiven und Postproduktion bei Hochzeitsportraits fotografiert hat. Daraus hat sich eben der Stil entwickelt für den ich so bekannt bin. Klar gibt es mittlerweile viele Nachahmer in der Hochzeitsbranche, die versuchen irgendwie dasselbe zu machen. Aber eine Rolex bleibt eine Rolex, da kann eine noch so gute Copy aus Hongkong kommen. Man wird den Unterschied sehen. ;-)

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Das zweite was mich abhebt ist meine Personality. Ich kann sehr gut mit Menschen umgehen und bringe ganz besonders Ungeübte beim Fotografieren zu Höchstleistungen. ich gehe gerne auf Menschen zu und interessiere mich, höre zu … ich finde Begegnungen sind das was ein Leben lebenswert machen. Und auf einer Hochzeit hat man eine Menge davon haha … die meisten denken ich bin ein Kumpel vom Bräutigam weil ich immer in der Hochzeitsgesellschaft super integriert bin. Ich trage auch keine komischen Polo-Hemden mit meiner Internetadresse drauf oder so. Ich bin immer inkognito unterwegs hihi … natürlich mit Rolex!

Die meisten Bookings für Hochzeiten habe ich über Mundpropaganda beziehungsweise Weiterempfehlungen von glücklichen Paaren. Ich denke das ist die beste Art von Werbung die man haben kann. Irgendwas scheine ich also richtig zu machen :-)

04 – Bevor du dich daran machst eine Hochzeit zu fotografieren, hast du doch bereits sicherlich eine gewisse Vorstellung davon was du vermitteln möchtest oder lässt du das Ganze eher auf dich zukommen? Sprich perfekt vorbereitet oder doch eher spontan?

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Du wirst lachen aber ALLES, ausnahmslos ALLES ist spontan. Ich hasse es zu Planen… das kannst du auch nicht bei einer Hochzeiten. Klaro, gibt es einen roten Faden oder eine Reihenfolge was an dem Tag passiert, das entscheidet das Brautpaar dann, ich stehe nur beratend zur Seite und geben ein paar Tipps, besonders wann es sinnvoll ist den Portraitshoot zu machen. Denn Licht beziehungsweise Abendlicht ist alles!!!! Wer Mittags fotografiert verspielt einen echt entscheidenden Vorteil!

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Ansonsten lasse ich mich von der Location und vom Tagesablauf inspirieren :-) das geschieht schon auf dem Weg vom Hotel zum Brautpaar. Unbewusst scanne ich die Gegend ab wo ich denn gut fotografieren könnte… es bleibt bei mir irgendwie hängen welche Spots sich lohnen und wo man besser die Kamera stecken lässt. Natürlich musst du auch das sich verändernde Licht im Laufe des Tages beachten. Eine Location die schön bei 15 Uhr aussieht, kann am Abend wenn das Licht komplett anders steht, nicht wirklich gut aussehen. Außerdem, wenn du gut Fotografieren kannst, dann ist es überall möglich gute Bilder zu machen. Sogar an einer langweiligen Bushaltestelle in einem Stuttgarter Vorort hehe … just set up your light in the right way und los geht‘s!

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Ich finde dass dies der richtige Weg ist und man so immer an „individuelle“ Hochzeitsreportagen und Portraits kommt. Das ist meinen Brautpaaren wichtig, dass sie etwas haben was genau sie und ihren Tag repräsentiert und keine abgehakte Abfolge einer Liste die man sich vor jeder Hochzeit zurechtlegt. JUST BE SPONTANEOUS!

Ich sehe das immer zum Beispiel an diesen typisch russischen Hochzeitsfotografen oder Filmern (nichts gegen Russen, aber imho das beste Beispiel gerade). Die gehen auf einer Hochzeit nicht mal aufs Klo ohne einen Plan hehe … jetzt aber Spaß beiseite. Jeder der Hochzeiten fotografiert und schon mal mit einem „typischen“ russischen Hochzeitsfilmer zusammengearbeitet hat, sieht immer dasselbe. Optisch ansprechende Filmschnippsel oder Fotos aber alles gefaked und gestellt. Von Authentizität und Originalität keine Spur… Außerdem verbringt eine russische Braut mit ihren Brautjungfern am Morgen der Hochzeit, mehr Zeit mit der Produktion des Hochzeitsvideos als beim Schminken. Ein normales Braut Make-up dauert ca. 90 Minuten bei einer fixen Visa. Wenn da aber noch Video „produziert“ wird anstatt die Ereignisse einfach einzufangen, schwillt die Zeit auf üppige 4 Stunden an, weil alles gestellt, minutiös gefilmt wird. Vom ersten Lidstrich bis zur Schwester oder Trauzeugin die der Braut das Kleid zubindet. Das wird dann, unter Ansagen des Hochzeitsfilmers oder Fotografen und einem gequältgestelltem Lächeln der Beteiligten 4- 5 mal wiederholt bis es passt und er den Shot hat, den er als gut empfindet.

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So ist das bei Allem, Auszug aus der Kirche, geplant, der Videotyp macht den Regisseur wann Leute klatschen und jubeln sollen und vor allem auch in welcher position die Hochzeitsgäste stehen sollen, damit es für den Shot gut aussieht. Von Authentizität keine Spur. Sicherlich, die Bilder die dann am Ende herauskommen sehen gut aus, wie ein perfekt designtes Märchen und wirken auf Menschen die nicht auf der Hochzeit waren, phänomenal (sie denken ja das hätte sich alles tatsächlich so abgespielt)! Aber für die Beteiligten, Braut & Bräutigam, Gäste usw. hat das eine andere Wirkung. Die freuen sich schon über einen coolen Film/Fotos, haben aber im Hinterkopf dass es eigentlich alles gestellt ist und keineswegs den natürlich emotionalen Ablauf darstellt. Natürlich trifft das nicht nur auf russische Hochzeitsfilmer zu und auch nicht auf alle.

Die Masse der italienischen, russischen und amerikanischen Filmer beziehungsweise Fotografen agiert aber zu 97,89% so. Schwarze (bzw. hier wären es weiße) Schafe gibt es natürlich auch darunter… die eben alles authentisch aufnehmen und versuchen so wenig wie möglich zu stellen.

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Das ist auch mein Weg. Lass die exakt minütliche Planung mit Liste zuhause und stürze dich in die Hochzeit und lass dich treiben. :-) Gehe niemandem auf den Sack und störe den Ablauf so selten wie möglich. Just have fun.

05 – Was gefällt dir am meisten an der Hochzeitsfotografie? Warum gerade Hochzeitsfotografie und nicht Schulfotograf ;)?

Brich es doch einmal herunter was man als Hochzeitsfotograf macht, beziehungsweise was eine Hochzeit ist: ein Event/Fest/Party von zwei Menschen die zusammen ihr Glück feiern und ihre Liebsten eingeladen haben. Positive Vibes in der Luft, gutes Essen & Trinken, immer an einer fabulous Hochzeitslocation, die Leute sind immer gut drauf… welcher normal denkende Mensch mag nicht Hochzeiten??? Alles nur positive Aspekte die Menschen glücklich machen. Ich empfehle Leuten mit psychischen Probleme auf eine Hochzeit zu gehen anstatt zum Psychiater, kostet weniger und Heilung garantiert. ;-) Und du fragst wieso ich Hochzeiten fotografiere?? ;-)

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Brautpaaren die mich nicht auf einer Hochzeit kennengelernt beziehungsweise gesehen haben, sage ich dass ich als Gast auf eine Hochzeit komme (natürlich mit Kamera im Gepäck). Ich tanze, quatsche mit Leuten, esse, habe eine gute Zeit und freu mich am laufenden Band über die positiven Eindrücke… der einzige Unterschied zum einem „normalen“ Hochzeitsgast ist, dass ich am Ende des Tages eine wunderschöne, authentische Hochzeitsreportage gespickt mit unfassbar noch nie gesehenen, groundbreaking Hochzeitsportraits zusammengetragen habe, aus dem Trubel des Tages … sozusagen eine WIN-WIN Situation.

Als „Gast“ bist du auf einer Hochzeit immer integrierter und kriegst ungezwungenere Shots von der Verwandten, Freunden und der gesamten Hochzeitsgesellschaft, die meisten denken ich bin ein Freund der Familie oder ein ehemaliger Studienkollege des Bräutigams. Und genau das ist mir sehr wichtig, dass ich nicht sofort als „gebuchter Fotograf“ zu identifizieren bin. Die Menschen sind auf einer Hochzeit einfach lockerer und ungezwungener wenn einer von den „ihren“ mit der Kamera durch die Gegend wuselt. Sie verstellen sich nicht und lassen ihren Emotionen freien Lauf anstatt eine „Achtung-Fotograf-Pose-samt-Lächeln“ einzunehmen.

Außer den positiven Vibes, ist das Reisen ins Ausland natürlich auch sehr schön. wenn man ein „echter“ international Wedding Photographer ist und tatsächlich Hochzeiten im Ausland fotografiert beziehungsweise Business Class nach Indien eingeflogen wird, an Top-Venues Hochzeiten von etwas besser betuchten Leuten fotografiert, ist es schon was tolles. Man hat immer andersartige Bilder, die Location/Flora/Fauna/Kultur ist bei jeder Hochzeit anders.

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In Indien sind große mehrtägige Hochzeiten samt Elefanten, Tigern und pipapo sehr gefragt, in den USA finden die Hochzeiten in sehr pompösen Ball-Rooms diverser Nobelhotels statt. Ich liebe die Vielfalt die meine Bookings bieten. Wer kann schon von sich behaupten so viele tolle Eindrücke aus fremden Kulturen zu erfahren, und das hautnah auf einer Hochzeit!

Nur eines wurmt mich noch, ich würde liebend gerne eine jüdische Hochzeit fotografieren. Mich interessiert das brennend da ich noch nie auf einer zu Gast war. Und natürlich auch eine „original“ arabische Hochzeit in den Emiraten. Das wär‘s zur kompletten Erfüllung meiner Hochzeitsträume! Wenn ich diese zwei Hochzeitskulturen noch zum Fotografieren bekomme, dann kann ich meinen Enkeln im hohen Alter von 72 Jahren, auf meiner Veranda meines herrschaftlichen Landsitzes irgendwo in den Hamptons sitzend, mit der siebten Revision meiner heißgeliebten Rolex „Milgauss“ samt Natostrap am Handgelenk, stolz das „ONDRO-Buch der Hochzeiten“ auspacken und in vergangenen Zeiten schwelgen, was für ein toller Hochzeitsfotograf ich doch damals war und was ich alles erlebt habe.

06 – Wie ist das mit der Inspiration bei dir. Wer oder was inspiriert dich bei deinen Projekten und Reportagen? Was treibt dich an, deine Grenzen auszuloten und neue Dinge zu probieren?

Bei mir ist das immer sehr unterschiedlich, ich schaue echt ungern auf Hochzeitsblogs oder auf Hochzeitsfotografenseiten. Du sieht immer denselben schon 10000fach kopierten Müll, immer dieselben Posen, besonders einfallslose Fotografen lassen paar auf jedem Bild knutschen. ich kriege echt die Krätze wenn ich mich durch die ganze Hochzeitsfoto-Industrie klicke.

Klar sind nicht alles superschlecht. Es gibt ein paar die ich mir anschaue, allerdings nicht aus Inspirationsgründen sondern einfach aus Freude an den Bildern. Die Hochzeitsfotografen, die ich mir reinziehe haben alle einen komplett anderen, auch eigenen Bildstil als meine Wenigkeit.

Ich habe wirklich Angst dass mein Stil unbewusst irgendwie verwässert wird durch Dinge die ich auf anderen Seiten sehe. Ich möchte meiner Linie treu bleiben und keinesfalls in diesen Pöbel an „awesome-latte-macchiato-lovesharing-styleshoot“ abdriften.

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Eine Zeit lang war es ja ein super Hype, Brautpaare auf einem spätsommerlichen Apfelfeld mit antiken Möbeln und allerlei Vintage-Kram (alte weiß-lackierte Vogelkäfige, vorsintflutliche Stühle, usw.) mit Birnen in der Hand barfuß zu abzulichten. Das veröffentlicht man dann in einem bezahlten Artikel auf einem der gängigen Blogs die sich mit Hochzeiten beschäftigen und nennt es Style-Shoot oder so ähnlich. Der genaue Terminus ist mir nicht geläufig weil ich mich mit realen Hochzeiten beschäftige ;-)

Natürlich sehen Models mit Couture und arrangiertem Set immer gut aus, aber mit „realer“ Hochzeit hat das nicht wirklich was zu tun. Am besten sind dann diese ganzen 21jährigen scheuen & schüchternen Mädels die einen „Styleshoot” auf einem der besagten Blogs veröffentlicht & dadurch ein Booking bekommen haben und dann (weil sie ja noch nie eine Hochzeit fotografiert haben) anfangen zu Heulen wenn eine Abweichung vom Tagesplan, schlechtes Wetter auftritt, ihre Kamera kaputtgeht (sie hat keine Ersatzkamera dabei, beim „Styleshoot” brauchte man das nicht) oder oder oder… die Leidtragenden sind dann Braut & Bräutigam. Das ist aber leider zur Zeit die Realität in der Hochzeitsfotografie, deshalb versuche ich mich aus diesen ganzen Zirkus aus „love-sharing-bliss-latte-macchiato-italian-passport“-Posts auf Facebook, styleshoots und immer denselben Posen auf Hochzeitsbildern, hinter mir zu lassen. Versteh mich nicht falsch, es gibt auch gute Hochzeitsblogs, wie die paar Großen die professionell betrieben werden aber sonst nun… eher Pustekuchen :-)

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Ich konzentriere mich dann lieber darauf wie ich Brautpaare glücklich machen kann :-) Oh schon wieder halb abgeschweift … haha … stimmt Inspiration war das Thema!

Fotografen in anderen Branchen schaue ich mir aber selber sehr gerne an. Ein totaler Fan bin ich von Kristian Schuller. Der Typ ist einfach der Wahnsinn, jedes seiner Bilder könnte man als Kunstwerk an eine Wand hängen. Superkreativ und hochwertig umgesetzt… ich hatte das Glück Ihn selber und seine gerade frisch verheiratete Frau Peggy Schuller auf einer Hochzeit in Hamburg zu treffen. Er war als Gast zweier „jung von matt“ – Artdirektoren auf deren Hochzeit geladen! Das war 2006 oder 2007. Ich habe ihn natürlich sofort erkannt, WTF da ist ja Kristian Schuller!!! Normalerweise bin ich ein cold-as-ice motherfucker und war nicht einmal beim Fotoshoot mit 50cent oder Jim Jones in NYC aus der Ruhe zu bringen, aber bei Kristian war das anders haha … Ich weiß noch genau dass ich voll aufgeregt war, angequatscht habe ich ihn aber nicht.

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Ich habe einfach fotografiert und draußen an der Elbe vor Christian Rach’s „Tafelhaus“ ein paar Portraits mit Porty vom Brautpaar gemacht. Die Hochzeitsgesellschaft hat von der Terrasse aus zuschauen können… und die Braut erzählte mir dass Kristian dann gefragt hat: „Hey wer ist denn der Typ? Das Licht dass er nutzt, ist gut. Mache ich auch immer so.“ … „Unser Fotograf heißt ONDRO, der fotografiert viele Musiksachen, vorzugsweise Rapper für Covers und dergleichen“ …“Ah ja interessant, witziger Typ“ entgegnete Kristian. … Als mir die Braut das erzählt hatte, war ich natürlich happy … besonders nice aber war es als Kristian am Abend zu mir gekommen ist und sagte: „hey mir gefällt wie du den ganzen Tag ackerst! Sehr fleißig! Du kriegst am Ende des Event bestimmt ein paar nette Bilder zusammen.“

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An diesem Punkt hat mein Herz angefangen nicht mehr zu schlagen und ich war total baff :-) … Ich kenne Kristian nicht, wie fast jeder Mensch aus GNTM, ich habe ihn schon viel früher gekannt, seine Internetseite ist mir schon 2004 oder so aufgefallen. Sein coolstes Bild damals war glaube ich ein Model das mit Elektrogitarre auf meinem Trampolin springt… ein toller Fotograf und ein sympathischer Mensch! hehe so jetzt aber genug von meinen Fanboy Stories :-) Ab und an lasse ich mich von Kristians Werken inspirieren. Er verkauft seine Fotos als supergroße Prints… the art piece schlechthin! Leider kostet mein Lieblingsbild ca. 14.000 Euro :-( irgendwann werde ich im Wohnzimmer ein Bild von Kristian hängen haben, aber erst einmal hat die Rolex Submariner aus Weißgold Vorrang.

Inspiration habe ich auch durch Musik, Musikvideos und Booklets … auch Illustrationen und Grafiken finde ich super. Ich habe zum Beispiel eine coole Grafikerin im Internet entdeckt die zufällig ein Bild dass ich von Franky Kubrick fotografiert habe, in einem very nice Stil „verpixelt“ hat. Ich habe sie einfach angeschrieben bzw. angerufen und nach 30 Minuten Talk, haben wir beschlossen ein Projekt zusammen zu machen, dass Foto & Illustration verbindet. Natürlich mit dem Thema HIPHOP! Die größte Inspiration aber sind BEGEGNUNGEN, also Menschen die ich irgendwie treffe oder über sie stolpere. Ein schlaues Mädchen sagte einmal zu mir: „Es sind die Begegnungen die ein Leben lebenswert machen.“ (diese Quote habe ich schon etwas weiter oben gedroppt glaube ich haha) … als sie das gesagt hat, hat mir das so imponiert, da musste ich sie einfach flachgelegen. Ich bin heute noch mit ihr zusammen :-)

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07 – An welchen Projekten arbeitest du im Moment sonst noch?

Neben meinen Hochzeiten fotografiere ich auch Werbung und Musik. Für allerlei große Firmen wie BMW, Sixt, Bundeswehr, Universal Music, Sony usw… am meisten Zeit nimmt gerade aber ein Projekt in Anspruch dass für mich selber überwichtig ist. Ich bringe eine eigene Fototasche heraus! :-) dazu später irgendwann mehr… das liegt mir besonders am Herzen da ich von allen Fototaschen, besonders von meiner jetzigen super abgeturnt bin. Alles hässliche Plastikteile, ohne Style… weißt mir ist es wichtig auf dass ein FotoBag etwas hermacht und nach etwas aussieht. Ich hab echt wirklich keine Lust mehr auf diesen Fotodeppenlook den man dieser Zeit auf der Photokina sieht. Jeder Hobbyfoto-Affe rennt da mit seinem schwarzen Plastik-Fotorucksack mitsamt kompletten Equipment und Stativ seitlich angehängt, als würde er nach Syrien ziehen wollen um den IS plattzumachen. Sowas will ich nicht! Das ist die absolute Horrorvorstellung für mich.

Eine Fototasche sollte praktikabel, nach teurem DIOR Fashionbag aussehen und sich nahtlos zwischen Rolex & Hermes einfügen können. Es gibt sowas nicht, deshalb mache ich das selber. :-) ein Fotobag sollte auch fashionable sein können… die großen Luxusmarken wie LV/Dior machen es uns vor. Leider produzieren sie keine Taschen für Fotografen.

Von der Konzeption bis hin zur Produktion und Vermarktung ist das allerdings n Riesenbrocken Arbeit! Ich hoffe ich schaffe es hehe

08 – Möchtest du sonst etwas mitteilen ? Zum Beispiel wo man dich im Netz überall findet ?

Ja. Ich möchte mitteilen dass ich eine Rolex habe. Sogar zwei hahaha… :-) In NYC nennt man mich deswegen ONDRolex hahahaaha

Ich hoffe ihr hattet, viel Spaß beim Lesen des von Basti geführten Interviews! Ich hatte jedenfalls superviel Spaß, mir diesen inhaltlich sehr wertvollen & doktorarbeitwürdigen Text, samt proletigen Einschüben und Anekdoten aus dem Leben des Hochzeitsfotografen ONDRO, niederzuschreiben.

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Wenn ihr euch ein wenig mehr von meiner Fotografie anschauen möchtet dann besucht doch meinen Blog www.thisisondro.com oder meine Hauptwebseite www.ondro.com. Und natürlich darf meine überaus fabulous Hochzeitsseite nicht vergessen werden www.hochzeitsfotograf-ondro.de.

Außerdem macht es Sinn sich im www.dslr-forum.de nach mir umzuschauen, wo ich mich als Gottkönig der Fotografie verkaufe und sehr viel Spaß beim Duellieren mit etwas angestaubten und alteingesessenen Forenusern habe, die nach dem Motto „knackscharf bei blende 5,6 mit Tamron 18-300mm ist eine Bildaussage“ leben…

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So das war‘s… und hey, falls ihr Juden oder Araber seid und eine „originale“ kulturbezogene Hochzeit feiert, egal ob in Qatar, Israel oder Buxtehude, dann schreib mir und macht mich & auch euch selber glücklich :-)

Cheers
Euer bester Freund
ONDROOOOOOO

Ale Giorgini – Pop Culture Famous Couples

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Wie ihr mittlerweile hier im Blog gelernt habt, müssen Illustrationen und Poster nicht viele Inhalte haben0 um eine Aussage zu treffen beziehungsweise für etwas zu stehen. So ist es auch bei den Illustrationen von Ale Giorgini, welcher berühmte Paare / Familien mit Hilfe von ein paar Linien und viel Freiraum entworfen hat. Der Name des Projekts lautet “That’s Amore!” und zeigt beispielsweise Homer & Marge Simpson, Snoopy & Charlie Brown, Darth Vader, Luke und Leia Skywalker oder Gomez & Mortica Addams. Mehr davon gibt’s hier.

Cult Movie Cards

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Der Illustrator und Creative Director Paul Willoughby ist ein wahrer Filmfan, Filme haben es ihm so stark angetan, dass er diese Vorliebe nun in seinem Projekt “Cult Movie Cards” unterbringt. Dahinter verbirgt sich ein Set bestehend aus 52 Spielkarten, welches er inspiriert von seinen Lieblingsfilmen wie Shining, Pulp Fiction oder Scarface per Hand illustriert hat. Eine Auswahl der Karten, sowie Fotos aus dem Schaffensprozess findet ihr nachfolgend. Weitere Karten und Infos findet ihr hier.

Paolo Roversi

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Im Jahr 1947 wurde Paolo Roversi geboren, aber erst knapp 17 Jahre später, kam er als Teenager beim Urlaub mit der Familie zum ersten Mal mit der Fotografie in Verbindung. Doch diese entzündete eine Leidenschaft bei ihm, welche ihn nicht mehr losließ. Aus dem Urlaub zurück schuf er sich seine eigene, kleine Dunkelkammer und tat sich mit einem anderen Amateuerfotografen, seinen Postboten Battista Minguzzi zusammen. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit der Entwicklung und dem Druck ihrer eigenen schwarz/weiß Fotos. Ein weiterer ausschlaggebender Schlüsselpunkt war die Begegnung mit dem lokalen Fotografen Nevio Natali, welcher Paolo unter seine Aufsicht nahm und gemeinsam mit diesem viele Stunden im eigenen Studio verbrachte. Diese Begegnung war nicht nur der Auslöser für eine kreative Zusammenarbeit, sondern auch für eine starke und dauerhafte Freundschaft. Mehr Informationen über Paolo Roversi findet ihr hier.

Polygonal Star Wars Portraits

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Es wird mal wieder Zeit für ein wenig Star Wars hier im Blog. Hierzu möchte ich euch die Star Wars Portraits Illustrationen von Vladan Filipovic präsentieren. Dieser hat seine Illustrationen durch die Verknüpfung verschiedener Star Wars Charakter aus Polygonen und einem typischen Zitat eben dieser geschaffen. Mit dabei sind Yoda, Dark Vader, Chewbacca, Boba Fett, C3PO und Stormtrooper. Mein persönlicher Favorit hierbei ist der kleine, grüne Yoda. Mehr Infos zum Projekt und zu anderen Arbeiten von Filipovic erhaltet ihr auf seinem Behance-Profil.

kreative Print-Werbung für den WWF

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Diese aktuelle Print-Kampagne von WWF verfolgt einen äußerst minimalistischen Ansatz, welcher mir sehr gut gefällt. WWF hat die Agentur Ogilvy & Mather in Gurgaon in Indien beauftragt eine passende Kampagne zu entwickeln, welche sich auf Tiere konzentriert. Der Slogan der aktuellen Kampagne lautet: “Trees save wildlife. Wildlife saves trees.” Besonders betroffen sind hiervon Pandas, Nilpferde und Bären – wenn man ein wenig genauer hinschaut, erkennt man diese auch auf den drei hier eingebundenen Plakaten.

How to Make a Cordon Bleu with Chakuza

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Heute gibt’s hier zum Start in den Tag eine kulinarische Köstlichkeit: Cordon Bleu. Munchies hat den österreichischen Hip-Hop Star Chakuza eingeladen sein Lieblingsgericht zu kochen und seine Tipps bei der Zubereitung weiterzugeben. Hierbei ist anzumerken das Chakuza gelernter Koch ist und man dadurch doch einen gewissen Standard erwarten darf. Welchen er meiner Meinung nach in dem knapp achtminütigen Video auch hält, scheint echt so, als ob er nicht nur von Musik etwas versteht. Wenn ihr also Bock auf Cordon Bleu ala Chakuza habt, dann bleibt euch eigentlich nichts übrig, außer den Clip nach dem Sprung reinzuziehen.

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